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: Gesellschaft :: Der Druck der Straße :
"Wir sind Verkehr!": Radfahrer touren als Critical Mass durch Halle. Manchmal sogar auf der Hochstraße.

Text: Michael Falgowski

„Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr", soll Albert Einstein über das Entstehen seiner Relativitätstheorie gesagt haben. So ist es zumindest auf einem der bunten Aufkleber zu lesen, die seit Wochen überall in der Stadt auftauchen. Die Aufkleber bewerben die Critical Mass, eine monatlich stattfindende, ganz unorganisierte Fahrraddemonstration. Einen anderes Motiv lautet: „Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad"; dem Autobauer Adam Opel wird dieses Zitat zugeschrieben. 12.000 solcher Aufkleber wurden jetzt mit finanzieller Unterstützung durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) für die „Critical Mass" gedruckt. 

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Wann Radler eine solche kritische Masse erreichen, lässt sich genau sagen: bei 16. Ab dieser Anzahl werden Radler nicht mehr auf einen vorhandenen Radweg gezwungen, sondern können nebeneinander die ganze Straßenbreite einnehmen. Was zur Folge hat, dass keiner mehr an ihnen vorbeikommt. Autofahrer müssen sich hinter der Radlermasse halten. Und nicht umgedreht. Genau das ist der Sinn einer Critical Mass: Fahrradfahrer erobern den Stadtraum und demonstrieren aufgrund ihrer schieren M asse, als rollende Blockade, ihren Anspruch: Wir sind Verkehr!

Die erste offiziell als solche bezeichnete CM soll vor 25 Jahren in San Francisco stattgefunden haben. Solche direkten Aktionen gibt es in den Innenstädte auf der ganzen Welt. Jeden ersten Freitag im Monat sind ab 18 Uhr auch in Halle Alltags- und Freizeitradler zur gemeinsamen Massenausfahrt in den Stadtverkehr verabredet. Treffpunkt ist der August-Bebel-Platz, zwischen Reileck, Univiertel und Ludwig-Wucher-Straße. In diesem Teil der Stadt leben besonders viele Menschen, die ein Fahrrad besitzen – und es benutzen.

Eine Critical Mass hat keinen Verantwortlichen, keine zentrale Organisation, aber natürlich einen Urheber. Martin Herrmann zum Beispiel. 24 Jahre alt, Student, Fachrichtung Management Natürliche Ressourcen, leidenschaftlicher Fahrrad-Aktivist. Eine Zeit lang hat Herrmann in London gewohnt, dort die CM-Bewegung kennengelernt und regelmäßig teilgenommen. Als er nach Halle zurückgekommen ist, war der Hallenser einer von jenen, die die in Halle bereits früher einmal existierende CM-Aktion wiederbelebt haben. CM-Chef ist er nicht. Das Unhierarchische sei ja das Wesen der Fahrrad-Aktion, sagt Herrmann. „Eine CM organisiert sich selbst. Es ist einfach eine gemeinsame regelmäßig stattfindende Tour durch die Stadt, ohne eine vorher bestimmte Strecke." Inzwischen hat er schon an 20 bis 30 solcher gemeinsamen Ausfahrten in Halle teilgenommen. Oft seien zu wenige Leute gekommen, um eine wirklich kritische Masse zu erreichen, um wahrgenommen zu werden, sagt Martin Herrmann. Besser wurde es Ende 2013 durch eine Fahrraddemonstration - auf der Hochstraße zwischen Altstadt und Neustadt. Über 250 Leute machten mit. Seitdem begeben sich relativ konstant etwa 50 Radaktivisten auf Innenstadttour. Immer jeden ersten Freitag im Monat auf dem August-Bebel-Platz. 
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„Die Frage ist doch, in welcher Stadt wollen wir künftig leben?“

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Bei der Mai-CM dieses Jahres wurde der Erfolg wiederholt: Geschätzte 350 Teilnehmer sind, von der Polizei begleitet, teilweise mit Wimpeln und Warnwesten ausgestattet, über die Lu-Wu zum Riebeckplatz und auf der Hochstraßen-Magistrale entlanggefahren. Die ist normalerweise für Radfahrer verboten. Musik aus Boxen auf Lastenrädern begleitete die Demonstration. „Wir wollen den Radverkehr voranbringen, darauf aufmerksam machen, dass es uns Radfahrer gibt und in der Stadt ganz viele Strecken exklusiv dem Autoverkehr vorbehalten sind", sagt Martin Herrmann. Normalerweise seien Radfahrer buchstäblich an den Rand gedrängt, oft auf Fahrradwegen in schlechtem Zustand, die häufig auch noch zugeparkt seien. Mit der direkten Aktion wolle man ins Bewusstsein der Leute kommen. „Und die ganze Sache soll mit Spaß verbunden werden, mit Musik und Zusammensein."

Dass sich dieser Spaß nicht allen Autofahrern vermittelt, die hinter dem Pulk der Radfahrer warten, stört die Radler nicht. Die Kritische Masse, die beide Fahrspuren blockiert, sorgte durchaus für Stau. Hupen nehmen die Teilnehmer der CM eher als Ansporn. Denn sie wollen den Druck von der Straße auf die Verkehrspolitik und die Diskussion in der Gesellschaft anschieben.

Die CM ist eine Aktion im Kampf der Radler für eine umweltfreundlichere Verkehrspolitik. Es gibt hunderttausend Gründe, in der Stadt auf das Rad zu setzten", sagt Martin Herrmann. Autos stünden zu 80 Prozent herum und verbrauchten sehr viel Fläche. Die Umweltverschmutzung und auch externe Folgekosten der medizinischen Behandlung der Stadtbewohner wegen des Lärms, des Schadstoffausstoßes und anderer durch den Autoverkehr verursachten Umweltschäden bedeuteten enorme Kosten. „Die Frage ist doch, in welcher Stadt wollen wir künftig leben?"

Der ADFC-Regionalverband Halle (Saale) hatte übrigens auch zur Hochstraßen-Demo Anfang Mai aufgerufen. Der ADFC fordert mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Die Critical Mass ist dafür ein Instrument. Wichtig auch: Sie soll Spaß machen. Wie Fahrradfahren eben: „Schon täglich drei Meilen Fahrrad zu fahren, verbessert dein Sexualleben – Dr. Sommer." So lautet ein weiteres Aufkleber- Motiv.

Nächste CM: Freitag 2. Juni, 18 Uhr, August- Bebel-Platz


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