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: Gesellschaft :: „Sonst verkrusten die Strukturen und Debatten“ :
Eine neue Zeitung für Halle? In Krisenzeiten wie diesen hört sich das leicht wahnsinnig an. Journalist Felix Knothe will es dennoch wissen

Text: Mathias Schulze; Bild: privat

Warum und wie, verrät er im Interview.
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Sie haben an der MLU ein Studium abgeschlossen, bei der Mitteldeutschen Zeitung ein Volontariat absolviert und währenddessen immer wieder als freiberuflicher Journalist gearbeitet. Nun wollen Sie Leser finden, die für Ihre Artikel im Internet bezahlen, das Ganze nennen Sie den Startschuss für eine neue und digitale „Städtische Zeitung Halle". Warum machen Sie das? Zumal es für einen freien Journalisten eher üblich ist, zahlende Auftraggeber ausfindig zu machen.

Die suche ich ja, in Form meiner Leser. Ich bin Lokalreporter, da ist die Auswahl an herkömmlichen Auftraggebern begrenzt. Aber es ist nicht nur für mich ein notwendiger Schritt, die „Städtische Zeitung" zu gründen. Halle braucht Abwechslung im Zeitungssegment, sonst verkrusten die Strukturen und Debatten. Die MZ erfüllt für viele Hallenser schon länger nicht mehr die Erwartungen, die Kostenlos- Portale können die journalistische Lücke, die dadurch entsteht, kaum füllen. Ihnen fehlen die Ressourcen. Daher meine Idee einer neuen Zeitung, die von ihren Lesern bezahlt wird. Behaupten kann man vieles.

Können Sie Begrifflichkeiten wie „journalistische Qualität" an konkreten Beispielen schmackhaft machen?

Für welche Geschichten würden Sie im Netz Geld bezahlen? Für primitive Klickhascherei etwa? Schauen Sie doch mal, was Ihnen geboten wird: Ein Pärchen, das in einem Ferienflieger beim Sex erwischt wird; wer beim Dschungelcamp rausgeflogen ist, Unfall hier, Raubüberfall da. Das ist Content, den Redaktionen massenhaft bekommen und so, wie er ist, weiterreichen. Die Klicker bezahlen dafür mit ihren Daten.

Wer es lesen will, soll es lesen ….

Klar, aber Lokaljournalismus funktioniert so nicht. Wir setzen uns eben in den Gerichtssaal, wenn der OB angeklagt ist. Wir setzen uns mit Bauplänen für die neue Straße auseinander, lesen Stadtratsdokumente. Wir gehen in die Opernaufführung, in den Kinofilm um die Ecke und sagen den Lesern hinterher, ob das Stück oder der Film sehenswert ist. Wir sprechen nicht nur mit dem Buchhalter der städtischen Bühnen übers Defizit, sondern auch mit den Künstlern, weil man das machen muss, um dem Thema gerecht zu werden. Und bestenfalls gibt es in unserer Zeitung dann eine Diskussion über all das. Diese Stadt ist in vielen Bereichen manchmal so verrückt, aber auch so skurril und liebenswert, dass es an Themen sicherlich nicht mangelt.
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„Ich bin der Typ, der jetzt mal losläuft und das wagt, was hier schon lange herumwabert: Ein ernstzunehmendes, neues Medium zu platzieren.“

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Wir? Wie soll der von Ihren Lesern bezahlte „Knothe"-Blog zu einer digitalen Zeitung werden? 


Indem wir eine Zeitung schaffen, die viele Stimmen bündelt. Eine Zeitung, die sich einerseits als Plattform für die unterschiedlichen Meinungen und Strömungen in unserer Stadt versteht, gleichzeitig aber selbst Themen setzt und aufgreift, auf den verschiedenen Feldern: Politik, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Sport. Das kann man nicht allein machen. Insofern ist mein Ziel ganz klar: So schnell wie möglich keine One-Man-Show mehr zu sein, sondern eine lebendige Redaktion zu schaffen. Dass ich am Anfang allein starten muss, liegt daran, dass ich wirtschaftlich bei Null anfange. Das Crowdfunding, das derzeit zur Anschubfinanzierung des Projektes läuft, soll testen, ob es für die Idee einer neuen Zeitung mit journalistischer Qualität einen Resonanzboden gibt. Die Reaktionen sind bis jetzt fast ausschließlich positiv. Das macht Mut.

Warum sollte man Ihnen vertrauen?

Am Ende kommt es nicht auf Felix Knothe an, sondern auf die Städtische Zeitung. Ich bin nur der Typ, der jetzt mal losläuft und das wagt, was schon lange in Halle herumwabert – ein neues ernstzunehmendes Medium zu platzieren. Natürlich wird auch die Städtische Zeitung ganz normal über das Stadtgeschehen berichten. Das ist das Schwarzbrot. Entscheidend ist, was man aufs Brot draufmacht. Ich will eben nicht nur am Informationsrockzipfel der Mächtigen hängen, sondern auf Augenhöhe sein, den Puls der Stadt fühlen, der selbst vielfältig ist – von konservativ bis ins Alternative, von arm bis reich, von Fast Food bis Bio. Und vielleicht gelingt es uns auch, ein Angebot für die zu machen, die bis jetzt noch gar nicht auf die Idee gekommen sind, für Journalismus Geld auszugeben – nicht viel Geld übrigens.

Würde es in Ihrer Zeitung rote Haltelinien geben?

Journalisten sollten keine Scheuklappen haben und auch mit Menschen reden, deren Meinung unangepasst oder gar anrüchig ist. Der herrschaftsfreie Diskurs ist ein wichtiges Ideal in einer Demokratie. Aber Medien haben auch eine Verantwortung, der sie gerecht werden müssen. Da können moralische Maßstäbe nicht schaden. Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Hetze, Hass – das hat in einer Zeitung nichts verloren und sollte auch in einer Gesellschaft nicht schulterzuckend hingenommen werden. Zeitungen müssen sich ständig hinterfragen, wir werden aber sicherlich auch unseren Leser Dinge zumuten, an denen sie sich reiben können.

Geben Sie sich Fristen für die „Städtische Zeitung Halle"?

Wenn die Mindestsumme von 12.000 Euro im Crowdfunding zusammenkommt, dann gilt das Versprechen: Die „Städtische Zeitung" startet. Die Crowdfunder haben ein Jahresabo gekauft, also bekommen sie von mir und wenn möglich weiteren Autoren ein Jahr lang Qualitätsjournalismus. Dann werden sicherlich noch mehr Hallenser neugierig und die Zeitung abonnieren. Das Prinzip ist einfach. Je mehr Abonnenten wir bekommen, desto besser können wir sein.


Crowdfunding Städtische Zeitung Halle, mehr: www.staedtische-zeitung.de


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