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: Kultur :: Pop hinterm Eisernen Vorhang :
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Das unmögliche Verlangen. Über 50 Jahre 1968", welche am 3. Mai im Operncafé eine Lesung und Diskussion mit Ulrike Heider zeitigt, ist am 23. Mai auch Alexander Pehlemann zu Gast

Text: Mathias Schulze; Bild Emil Biljarski

Pehlemann, Herausgeber des Zonic", Magazin für Kulturelle Randstandblicke", wird einen multimedialen Vortrag über Love, Peace, Art and Happiness" im Ostblock halten ein Thema, das fast spurenlos aus dem öffentlichen deutschen Gedächtnis gelöscht scheint. Fast! Es wird spannend, informativ und kontrovers. Mathias Schulze hat vorab beim Leipziger Pehlemann nachgefragt.

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Herr Pehlemann, die gegenwärtige deutsche Erinnerungskultur zum Thema 68er" durchläuft zum 50. Jahrestag gerade die Feuilletons. Warum ist es wichtig, auch die 68er-Bewegungen der Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, also Ungarn, Tschechoslowakei, Sowjetunion, Rumänien, Polen, DDR, Bulgarien und Albanien, in den Blick zu nehmen?

Die Revolte war eine weltweite und fand in verschiedenen Formen eben auch hinter dem Eisernen Vorhang statt. Der Prager Frühling und seine Niederschlagung ist das wohl bekannteste, aber eben nicht einzige Beispiel. Meine Präsentation widmet sich aber vor allem den Entwicklungen danach, speziell im Feld der Jugend- oder Popkultur, in der viele Fragestellungen der West-68er genauso verhandelt wurden und halt von Staatsseite bewertet beziehungsweise bekämpft wurden. Wobei auch hier mit den Plastic People of the Universe" das wohl bekannteste Beispiel aus Prag kam. Dabei geht es aber nicht nur um Underground, sondern genauso um die aufkeimende offizielle Rockkultur. Aus der dann aber auch Bands in Ungnade fallen konnten, wie die Leipziger Band Renft. Neben dem Politischen interessiert mich dabei jedoch nicht zuletzt das Material an sich: der Sound, das Visuelle, der Habitus und so weiter.

Ich will Sie noch einmal mit der Gegenwart belästigen": Alexander Dobrindt (CSU) sprach neulich davon, dass die 68er-Bewegung in Westdeutschland eine Elitenbewegung und keine Bürger-, Arbeiteroder Volksbewegung gewesen ist. Wie bewerten Sie diesen Beitrag?

Ich bin zu wenig Zeithistoriker, um das detailliert bewerten zu können. Aber hier spricht die derzeitige Elite, die ihr Boot in den antiintellektuellen wie antiemanzipatorischen Zeitgeiststrom setzen will, um den Status mittels Populismus zu erhalten oder rückschreitend auszubauen. 
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Was im RocknRoll- Widerstand passierte, kann heute auch im illiberalen Mainstream des Neonationalismus wirken und zwar im Sinne eines Rückbaus der emanzipatorischen Fortschritte, für die 68 als Formel steht.

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Kommen wir zur zu Ihrem Vortrag in der Oper Halle zurück: Sie werden zeigen, wie die Ästhetik der jugendkulturellen und künstlerischen Opposition des Warschauer Paktes in breitere Gesellschaftsschichten" hineingewirkt hat. Wo ist jene Ästhetik heute zu finden?

Zu Zeiten der Retromania kann sie potentiell omnipräsent sein. Sie ist dauerhaft online abrufbar, lauert in den Archiven au
f Entdeckung und findet sich eingereiht in internationalen Liebhabersammlungen, ohne bisher Hype zu sein. Aber auch in den nationalen Mythen, den populären bis populistischen Geschichtskonstrukten, in identitären Entwürfen eines Selbstbildnisses wirkt sie nach. Sowie aufgenommen in den Sounds des Hier und Jetzt, als Bezugsgröße oder Klangquelle.

Zuletzt ist sie manchmal auch noch als entweder peinlich schwacher oder überraschend agiler Aufguss der Noch-Lebenden live unterwegs. Wobei die Verhältnisse widersprüchlich sind. Was einerseits im RocknRoll-Widerstand, als parallele Entsprechung zur westlicher Popkultur, passierte, kann heute auch im illiberalen Mainstream des Neonationalismus mitwirken und zwar im Sinne eines Rückbaus der emanzipatorischen Fortschritte, für die '68 als Formel steht. Siehe Ungarn.

Frei assoziierend, denke ich auch an Wolf Biermann. Aus einem Revoluzzer" gegen den Stasi-Staat kann auch ein Apologet des Kapitalismus werden

Milan Hlavsa von den legendären Plastic People of the Universe" spielte damals beim USAStaatsbesuch seines Kumpels Vclav Havel, damals Präsident der Tschechischen Republik, im Weißen Haus. Gerüchte besagen, dass sogar dessen damaliger Bewohner Bill Clinton am Saxophon hinzu blies. Eine neue Art Staatsrock vielleicht Freiheit kann eben vieles meinen.

Danke für das Gespräch!


Oper Halle, Radio Corax und Heinrich Böll- Stiftung Sachsen Anhalt präsentieren die Reihe: Das unmögliche Verlangen. Über 50 Jahre 1968", 3. Mai mit Ulrike Heider, 23. Mai mit Alexander Pehlemann, jeweils Operncafé, jeweils 19 Uhr, Eintritt frei




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