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: Bühnen :: „Ich will mich ins Chaos stürzen“ :
Der Tausendsassa Rainald Grebe tourt momentan quer durch Deutschland, am 2. August spielt er auf der Leipziger Parkbühne Geyserhaus. Im Juni läuft auch sein Theaterstück „Circus Sarrasani. The greatest Show on earth" am Staatsschauspiel Dresden

Text: Mathias Schulze; Bild: Joachim Dette

Grund genug, nachzufragen. Ein Gespräch über Betten im Kornfeld, über das Manisch-Depressive und über künstlerische Ziele.

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Herr Grebe, es gibt Künstler, denen hängt ein Song lebenslang, und darüber hinaus, wie ein ewiges Etikett auf der Brust. Ihr „Brandenburg" erschien vor gut 14 Jahren. Spüren Sie den Fluch der guten Tat?

Ich beklage mich nicht. Es ist ein Lied von vielen. Da es die Leute mögen, liegt die Gefahr des „Betts im Kornfeld" in der Luft. Aber das belastet mich nicht.

Sie kommen aus Köln, schrieben Hymnen über die neuen Bundesländer und haben eine Bauernhofhälfte in der Uckermark. Ihre Beziehung zum Osten ist eine spezielle?

Als ich Anfang der 90er nach Berlin kam, war es neu, geil und inspirierend. Ich fühlte mich wie ein Antiquitätensammler. Eine Gesellschaft suchte eine neue Form, es ging noch nicht so geregelt zu wie in den alten Bundesländern. Und dann hatte ich irgendwann keinen Bock mehr, zurückzugehen.

Ist die Form heute gefunden?

Fangfrage, oder? Ich treffe auf dem Land noch immer gerne die Rentner mit ihren Geschichten, mit ihrem Hass auf den Westen, der oft berechtigt ist, aber sich zum Teil auch irrational verselbständigt hat.

Ein falscher Bart hier, aufgerissene Augen dort. Denke ich an Rainald Grebe, denke ich daran, dass es vermutlich keine moderne Befindlichkeit gibt, die noch nicht von Ihnen besungen wurde.

Oh, das wäre ja schrecklich. Dann könnte ich jetzt ja aufhören. 
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„Was mich kaltlässt, sind Kabarettisten, die aus einer Position der Überlegenheit heraus spielen.“

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Immer ist da diese chaotische Quirligkeit, mal hektisch, mal fiebrig nervös, die scheinbar zum Bühnenauftritt dazugehört. Ist das eine bewusste Performance, die eine überspannte Haltlosigkeit und Beliebigkeit der Moderne aufgreifen will? Oder leiden Sie an Ruhelosigkeit?

Das auch, ja. Aber als Bühnenform komme ich immer wieder auf das Beschriebene zurück. Ich will mich ins Chaos stürzen. Was mich kaltlässt, sind Kabarettisten, die aus einer Position der Überlegenheit heraus spielen. Man muss sich selbst als Nicht-Wissender, als Zweifelnder zur Verfügung stellen. Dazu brauche ich das Theatrale, das Körperliche. Und das Manisch-Depressive durchzieht mein Leben. Das finde ich überall wieder. Im Grunde geht es immer wieder um Langeweile, Leere und Überforderung. Das muss auch theatral auf der Bühne zu spüren sein.

Zu Ihrem favorisierten Selbstverständnis: Sind Sie Musiker, Puppenspieler oder Theaterregisseur? Oder gar Soziologe, den man auch in 100 Jahren unter dem Motto „Schau, so tickten die Deutschen Anfang des 21. Jahrhunderts" heranziehen kann?

100 Jahre ist viel. Ich glaube, die Verfallsdauer ist extrem kürzer. Ja, ich bin alles. Und Obstbauer und Familienvater bin ich auch noch. Alles, alles, ich brauch’ alles. Und am Ende geht alles durch den Quark und ist im besten Fall gute Kunst.

Gibt es den Wunsch, sich auf eine künstlerische Tätigkeit zu fokussieren?

Die Fokussierung ist ja da. Dass meine Kunst am Ende geschrotet und abgelenkt erscheint, ist gewollt.

Die baldigen Konzerte führen Sie wieder durch ganz Deutschland. Es ist ein Deutschland, das sich unter den großen Begriffen Digitalisierung und Globalisierung gerade massiv verändert, politisch und gesellschaftlich. Legen Sie noch Wert darauf, aktuelle Befindlichkeit musikalisch zu präzisieren? Ist das schwieriger geworden?

Dieser Wunsch ist immer da, aber es ist immer gleich schwierig. Das ist auf jeden Fall immer die Frage: Wie kann ich mit meiner Biografie, mit meinen zerfallenden Zellen entscheidende Zeilen verfassen?

Gibt es schon Konzeptlinien für das nächste Programm?

Anfängliche, gewiss. Stichproben: Arm und Reich, Berlin und die Mieten, die Ränder. Fahre ich zu den Außengrenzen Europas? Die Frage ist doch immer: Wie wird daraus Kunst? Wie komme ich ans Gebräu heran? Wie lotet man das aus? Die Kenntnis soziologischer Befunde ist noch keine Kunst. Auf jeden Fall läuft erst einmal mein Stück „Circus Sarrasani. The greatest Show on earth" bis 21. Juni am Staatsschauspiel Dresden


Rainald Grebe, 2. August, Parkbühne Geyserhaus, Leipzig, 19.30 Uhr 


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