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: Bühnen :: Brillant und heiter :
Die Komödie „Ach, diese Lücke, diese unendliche Lücke" nach dem Roman von Joachim Meyerhoff feiert am Neuen Theater Premiere

Text: Annett Krake; Bild: Neues Theater

Da ist sie, die Lücke, die uns alle einmal erwischt, früher oder später, durch den Verlust eines Liebsten, oder manchmal auch schon in ganz jungen Jahren, wenn das Abizeugnis ausgiebig gefeiert wurde und plötzlich Stille folgt. Es ist die Lücke, die mit den Worten Jura, Zivildienst oder mit einem Trip ins Ausland gefüllt werden könnte.

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Doch nicht bei Joachim. Seine Lücke findet keinen Inhalt, kein passendes Wortstück zum Verschließen. Der junge Mann, der Sportler gerät in Bewegungslosigkeit. Der Abstand zu sich selbst und der Welt wird immer größer. Er fühlt sich getrennt vom normalen Dasein. Seine Lücke: der Verlust seines Bruders. Der abgrundtiefe Graben, der sich dazu in seiner Lücke auftut: die bestandene Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in München.

Der Ausbildungsmarathon zum Schauspieler wird für Joachim zur Herausforderung mit ungeahnten Enttäuschungen – die einzige stabile Konstante um ihn herum, seine Großeltern. Dort kann er sein, kann er wohnen, ist er herzlich willkommen, kann die Misserfolge ins Kopfkissen weinen oder sich den üppigen Trinkgewohnheiten der Großeltern anschließen.

Der sportliche Schauspielschüler muss sich dabei zu sehen, wie er sich von Sprechübung zu Bewegungstanz quält, der Unterricht wird zum kaum zu bewältigenden Hürdenlauf. Die Dozenten sind enttäuscht, er selbst kann sich nicht verteidigen, weiß nicht, wo er in sich nach seinen schauspielerischen Ansätzen suchen soll, er schält sich, häutet sich, findet nichts, hört sich von „Ratlosigkeit überwucherte Gestrüppsätze" sagen.

Seine Scham über sein Versagen droht ihn zu ersticken. So die Story, die dramatisch traurig klingt, aber nicht ist. Denn dieses verquere Leben hantiert mit großer Heiterkeit, die Schauspielschule ist ein Sammelsurium an Kuriositäten, an aberwitzigen Begebenheiten.

Nun hat Alexander Gamnitzer den Romanstoff auf die Bühne gebracht, stellt die Schauspieler Elke Richter und Enrico Petters, die schon viele Lücken schließen mussten, auf die Bühne. Sie spielen die Großeltern von Joachim, die in sich ruhen und ihren Alltag mit skurrilen Ritualen strukturieren. Sie fangen den emotional verunglückten Jungen auf, stiften Zuversicht und entschärfen die scheinbare Last – das Leben ist schön und vergnüglich, gerade mit Lücken.

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„Das Leben ist schön und vergnüglich, gerade mit Lücken.“

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Joachim wird von Jonas Koch verkörpert. Ein junger, energischer und frohgemuter Schauspieler, der die Strapazen der Schauspielschule tatsächlich gerade hinter sich hat und sich vorstellen kann, im Sprechunterricht nicht mehr zu wissen, wie man Atem holt oder als Nilpferd mit Fontane-Text über die Bühne zu robben. Und er weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn nach dem ersten Vorspielen am Theater der Anruf des Intendanten sehnsüchtig erwartet wird. Jonas Koch musste nicht lange warten. NTIntendant Matthias Brenner hat das Handy von dem Schauspieler und Musiker schon bald klingeln lassen und ihn in Halle engagiert. Welch ein Glück!

Alexander Gamnitzer, der Regisseur, selbst Schauspieler und Professor an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig, hat die Bühnenfassung des Romanstoffs zu verantworten, ließ bei der Erarbeitung das Werk durch sich hindurch fließen und nahm bei den Proben das junge Talent an die erfahrene Hand.

Und Jonas Koch zeigt, was er kann. Passgenau schlüpft er in die Rolle des Verlorenen auf seiner brüchigen Suche nach Halt. Gamnitzer verzichtet auf ein beladenes Bühnenbild, reduziert die äußeren Mittel. Was zur Schau gestellt und erzählt wird, dringt ganz und gar durch die Schauspieler zum Publikum, berührt, bewegt, lässt die eigene Lücke spüren.

Das Stück zeigt, wie bereichernd es ist, wenn Generationen sich füreinander interessieren. Großeltern ihre Enkel an ihrem unglaublich festgelegten und von Alkohol durchtränkten Lebensabend teilhaben lassen, für eine Weile Heimat bieten und den jungen Menschen durch dieses Zusammensein prägen, unfassbare, einzigartige und an Humor kaum zu überbietende Momente schaffen.

Das große Thema: Lebenslücken zu schließen, zu meistern, Niederlagen einzustecken, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Gefühl der unendlichen Scham vor dem Erlebten zu überwinden, wird hier vortrefflich und voller Lust auf die Bühne gebracht.

Joachim Meyerhoff hat einen erstaunlichen Roman geschrieben, Alexander Gamnitzer hat daraus ein brillantes und heiteres Bühnenstück kreiert.

„Ach, diese Lücke, diese unendliche Lücke", Premiere, Freitag, 05. Oktober 2018, 20 Uhr, Neues Theater, Kammer, weitere Vorstellungen: am 06. Oktober und am 13. Oktober 2018, 2018, jeweils um 20 Uhr in der NT-Kammer


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