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: Bühnen :: „Hinein in die Wirrnisse des Konsumfestes“ :
Zur weihnachtlichen Dinnershow mit Drei-Gänge-Menü treffen sich die Schauspielerin Andrea Ummenberger und ihr Kollege Reinhard Straube

Text: Mathias Schulze

Vor dem sehr heiteren Abend in der Millers Lounge hat Straube aber auch Nachdenkenswertes zu Protokoll gegeben.

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Schon der Titel der Dinnershow arbeitet mit einem Augenzwinkern.

Weihnachten ist heute weniger das Fest der Besinnlichkeit, als vielmehr das Fest der Besinnungslosigkeit, ein großer Stressfaktor. Daran knüpfen wir an. Wir gehen hinein in die Wirrnisse des Konsumfestes. Das fängt beim Essen an: Vertragen die Gäste Zucker, muss man auf eine Laktoseintoleranz achten? Soll man den Liebsten wieder Socken und Krawatten schenken? Muss man geheuchelte Freude vorher wochenlang schauspielerisch üben? Probleme über Probleme.

Das klingt nicht nach der handelsübliche Besinnlichkeit.

Natürlich stehen hinter unserer komödiantischen Verarbeitung auch ernste Fragen: Wie kann man heute noch sinnvoll Weihnachten feiern? Was fehlt uns wirklich? Die Leute sollen lachen dürfen. Niemand verbietet es aber, danach noch Weihnachtsflieder zu singen. (Lacht.)

Sie und die Schauspielerei, das ist ein Liebesverhältnis. War es Ihnen zeitlebens wichtig, eine absolute Identifikation mit der Rolle anzustreben? Oder liegt Ihnen eher jenes Spiel, welches eine Distanz zur Rolle hat?

Ich bin nicht die Figur, die ich spiele. Ich habe noch andere Gedanken beim Spiel, muss mich zweiteilen. Ich glaube auch, dass eine intensive Nähe zum Publikum besser entstehen kann, wenn es zwischendrin mal an den Reinhard Straube denken muss. Das ist mein Stil, der schließt ein gewissenhaftes Spiel aber nicht aus.

Welche Rolle würden Sie gerne noch einmal spielen?

Einen alten und miesepetriger Opa, der über sein Leben nachdenkt, Irrungen und Wirrungen offen anspricht und Wahrheiten ans Licht bringt. Dann müsste seine Art der Rückschau etwas Philosophisches haben, so dass das Publikum auch in einen Strudel des Nachdenkens, der Rückschau gerät. Im besten Falle entstünde dann so etwas wie Wahrhaftigkeit.

Aber miesepetrig müsste er sein?

Absolut. Dafür gibt es ja auch viele Gründe.

Welche?

Würde ich alle nennen, würden wir Monate für dieses Interview brauchen. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen heute aneinander vorbeirasen. Alles ist so schnell, so hektisch. Der Konsum bestimmt den Horizont. Früher bin ich gerne einkaufen gegangen, habe dann mit der Verkäuferin geplaudert. Heute bestellen die Leute bei Amazon und beschweren sich dann über den Fluglärm, der entsteht, wenn die Produkte eingeflogen werden. 
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„Und wenn ich dann auftreten darf, ist es wie früher: Die schweren Gedanken, die körperlichen Gebrechen sind wie weggeblasen. Das Bühnenleben ist dann wie ein Rausch, wie eine Droge.“

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Heute und früher. Das können auch verklärende Kategorien sein, oder?

Ich kenne noch eine Zeit, in der es selbstverständlich war, dass man mit dem Nachbarn regelmäßig ins Gespräch kam. Man empfahl Bücher, redete über dies und das. Man war sich nah.

Ich kennen Leute, die sagen, dass die Rede von einer früheren DDRSolidarität vor allem mit einer Mangelwirtschaft zu tun hatte, dass man auf einen gewissen Austausch angewiesen war.

Ein wichtiger Aspekt. Aber schauen Sie sich die Gegenwart an. Da gibt es Vitamin-Tabletten, zusätzlich zu Obst und Gemüse sollen wir auch noch Tabletten schlucken, um an die Vitamine zu kommen. Wie absurd ist das denn? Heute steigt die Weltbevölkerung kontinuierlich an, der Ressourcenverbrauch und die Wohlstandsproblemchen ebenso. Was glauben Sie denn, wie lange der blaue Planet das noch mitmacht?

Ist der Zusammenhang von Kapitalismus und ökologischem Raubbau an der Natur damals nicht in der politisch-agitatorischen DDR-Sendung „Der schwarze Kanal" aufgezeigt worden?

(Lacht.) „Der schwarze Kanal" war ganz platt aufgezogen. Das Motto war immer: „Wir leben gut, die leben schlecht". Wieder würde ich lieber die Gegenwart anschauen wollen: Heute wird viel erzählt, man spricht über den Klimawandel, über Umweltschutz, über Mieten, Renten, Leiharbeiter, Aufstocker, über einen Abbau des Sozialstaates und über die Probleme der Dritten Welt, die wir ja auch mit Exportüberschüssen verursachen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass eigentlich kaum etwas dagegen getan wird. Und wissen Sie: Ich will auch nicht zu politisch werden, denn wir leben in einer Zeit, in der man dann auch schnell angefeindet wird.

Einverstanden. Vielleicht können Sie aber all jenen, die es noch vor sich haben, etwas verraten. Die unschönen Begleiterscheinungen kann sich jeder vorstellen, aber was ist das Schöne am Älterwerden?

Man hat Erfahrungen gemacht, man meidet Fehler. Dadurch kann man sich den Tag wesentlich schöner gestalten. Für mich ist es momentan ein Luxus, dass es auch Tage gibt, die ich mit Muße erleben darf. Da lese ich auch gerne mal drei verschiedene Tageszeitungen. So entkomme ich der Hektik, so gebe ich mich ganz der Freundlichkeit hin. Das ist schön. Und wenn ich dann auftreten darf, ist es wie früher: Die schweren Gedanken, die körperlichen Gebrechen sind wie weggeblasen. Das Bühnenleben ist dann wie ein Rausch, wie eine Droge. Freuen sich die Menschen, sehe ich sie lachen, wird das Ganze noch verstärkt.

Das Bühnenleben als eine Reinigung, als ein Jungbrunnen.

Absolut. Aber das soll nicht nur für mich so sein, sondern auch für das Publikum. Nur dann funktioniert die Droge.


Weihnachten! Schon wieder?, vom 26. November bis 12. Dezember, Millers Lounge, Dorotheenstraße 12, jeweils 19.30 Uhr, Tickets: www.cultour-buero-herden.de



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