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: Bühnen :: Wenn die Spiellaune funkelt :
Rasant, lustig, grandios gespielt. Die Komödie „Das Abschiedsdinner" von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière ist der Nachfolger des Kassenschlagers „Der Vorname". In Dessau gelingt Axel Stöcker eine wunderbar bissige und unterhaltsame Inszenierung

Text: Mathias Schulze; Bild: Claudia Heysel

Getupfter, leichter Wohlfühl- Jazz, die Ledercouch glänzt, im Hintergrund scheint der nächtliche Mond durch die üppige Glasfassade der Oberschicht. Da der Ausweis der Intellektualität, da die Bücherregale. Dort der Mini- Buddha – Kosmopoliten kennen alle Weltreligionen. Wie mit allen anderen Bildungsschmuckstückchen wird die Wohnung, die Sprache und der Geist damit ausstaffiert. 

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Schon das Bühnenbild lädt zu jener beliebten Schleife, die das Stück Der Vorname so erfolgreich gemacht hat: Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière lassen, meist brüllend komisch, die Fassade bröckeln. Pointiert und zielsicher brechen verdrängte Wahrheiten in das mit allerlei bürgerlichem Gefasel verstopfte Hirn der höheren Klassen.

Sieht man das Bühnenbild im Studio des Anhaltischen Theaters, ahnt man, was kommen wird. Und doch wünscht man sich am Ende, es möge noch eine Weile so weitergehen. So rasant, so gekonnt, so unterhaltend flutscht die Inszenierung von Axel Stöcker. „Das Abschiedsdinner" bekommt trotz vieler gedanklicher Motive eine flotte Leichtigkeit, die es zwar in seiner DNA trägt, die aber so gelungen erst einmal zum Schweben gebracht werden muss. Da treffen Sprachwitz und Situationskomik auf Standesdünkel und tiefere Probleme. Was ist Freundschaft? Wie viel Last der modernen Überforderung kann sie tragen?

Der linke Verleger Pierre will einen Schlussstrich ziehen. Er sucht Ruhe, einen Ausbruch aus den To- Do-Listen. Er will ein paar Freunde verabschieden: „Wenn ein Baum wachsen soll, muss man die toten Äste abschneiden." Der Schauspieler Dirk S. Greis spielt Pierre lustwandelnd und schwankend zwischen gestresstem Familienvater, Pantoffelhelden und permanenten Selbstoptimierer. Welche Prioritäten setzen wir? Das Raubtier namens Kapitalismus will unsere Zeit verwerten.

Zusammen mit seiner Frau Clotilde gibt Pierre also ein Abschiedsdinner für Antoine – nur dessen Frau muss just diesem Abend eine sechsstündige Theaterperformance ablegen. Willkommen im Reich der Kosmopoliten, willkommen im Dunstkreis der reichen Globetrotter, die zwischen Kunst, Kultur und Geröll in Therapien und Abgrenzungsgebaren nach unten ihre Identität finden müssen.
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„Sprachwitz und Situationskomik treffen auf Standesdünkel und tiefere Probleme.“

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Illi Oehlmann spielt die Clotilde, sie atmet die Figur zwischen der sexuellen Aura einer Scarlett Johansson und dem strengen Duft einer Hausfrau, die ihrem Mann Pierre nur als Versager abstempeln will. Wunderbar! Hereinspaziert in die Plattitüden, hereinspaziert in ein Spiel, in dem das Maul plappert und die Körpersprache alles verrät. Der Gast Antoine braucht alle Mitmenschen, vom Psychiater bis zum langjährigen Freund, als Textfläche seiner maßlosen Egozentrik. Oliver Seidel spielt Antoine flirrend, hektisch, launisch, himmelhoch jauchend und zu Tode betrübt. Eine Nervensäge sondergleichen. Einmal, mitten in zahlreichen Monologen, rutscht ihm dieser Satz raus: „Ich red’ ja nicht so gerne über mich."

So rauscht das Gequatsche, so perlt ein französischer Spirit, so rasseln die sprachlichen Pointen. Ein gehobenes Boulevardstück, der Tiefsinn versteckt sich in diversen Anspielungen, die allesamt lockerleicht um die Handlung baumeln. Antoine durchschaut die Absichten des Abschiedsmahles, all die vielen Nettigkeiten eskalieren. Mit subtiler Garstigkeit fegt ein eisiger Wind durch den bürgerlichen Anstrich. Immer wieder fällt eine neue Maske.

Je mehr Risse im Gefüge der Personen entstehen, desto schadenfroher darf das Publikum lachen. Auf jede Not folgt ein Lösungsansatz, auf jeden Lösungsansatz folgt eine Demaskierung. Das Gute-Laune-Stück stellt die Frage nach dem gelungenen Leben. Es verbindet die Ironie auf die gehobenen Klassen mit dem zwischenmenschlichen Verständnis für die irrenden Figuren. Da flankiert der Geist der 68er-Bewegung die Interessen einer „konservativen Revolution". Da stellt sich der Sinn von Religionen immer wieder neu. Schön wohltemperiert gelingen die überdrehten, exzessiven Passagen.

Und freilich, die ätzende Satire ist ein dankbarer Stoff, der das Rad nun auch nicht neu erfindet. Geht dies jedoch so flott über die Bühne, funkelt die Spiellaune der Darstellenden so ansteckend ins Publikum, sorgen selbst vorhersehbare Entwicklungen für einem launig-perfekten Theaterabend. Ohne Frage, das Studio des Anhaltischen Theaters ist wieder um eine Perle reicher.

Das Abschiedsdinner, nächste Vorstellungeen am 17. Januar und 2. Februar um 20 Uhr im Studio des Anhaltischen Theaters, www.anhaltisches-theater.de 

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