Mit der Leipziger Band „Hotel Rimini” eröffnet die Kunsthalle „Talstrasse” die Open-Air-Saison, die bis zum 19. Juli mit schönen Sonntagskonzerten in den anliegenden Felsengarten einlädt. Im Interview spricht Sänger Julius Forster über seine Musik
Hallo Julius Forster, der PR-Text spricht bezüglich des neuen Albums „Gefährdete Arten” von den „Krokodilstränen unserer städtischen Wohlstandsproblematiker”. Können Sie das erklären?
Manchmal versuche ich da hinzuleuchten, wo die eigenen Widersprüche liegen. Beispielsweise, wenn man mit dem Brustton der Betroffenheit öffentlich über bestimmte Missstände klagt, und dabei mehr mit seiner Selbstinszenierung beschäftigt ist, als mit dem eigentlichen Thema. Oder wenn man sich aus seiner lichtdurchfluteten Altbauwohnung heraus fragt, wie man die schlimme Weltlage nur aushalten soll. So explizit sind meine Texte aber eher selten, ich versuche eigentlich meistens, nicht so tagespolitsch zu sein, sondern bei den Hörenden Raum für eigene Assoziationen zu lassen.
Wie erleben Sie die Publikumsreaktion?
Ein Konzert von „Hotel Rimini” ist oft wie eine Art Mehrgenerationenprojekt, nicht selten kommen Eltern mit ihren erwachsenen Kindern. Da scheinen wir mit unseren Songs recht breit zu streuen, sind nicht nur auf eine bestimmte Generation beschränkt. Unser großes Instrumentarium und unsere verschiedenen Einflüsse aus Indie, Chanson, Klassik und Jazz erlauben es uns, neben den Texten auch der Musik und manchmal ganzen Instrumental-Stücken Platz zu geben. Bestenfalls entsteht so eine abwechslungsreiche, manchmal theatral anmutende Reise, auf die man sich bei einem „Hotel Rimini”-Konzert begibt.
Sie sind 1993 in Bayern geboren. Welche Rolle spielt das „Ost-West”-Thema in Ihrem Leben? Warum wohnen Sie nicht in München? Wäre das nicht was?
Stimmt eigentlich, ich habe mein Leben verwirkt! Das Ost-West-Thema spielt in meinem Leben eigentlich keine große Rolle. Ich fühle und fühlte mich in Bayern ähnlich zugezogen wie in Sachsen, allerdings würde ich Leipzig dem zwar schönen, doch auch irgendwie homogeneren München vorziehen.
Was lässt sie aktuell nicht schlafen, wo liegen gerade die Leib- und Magenthemen?
Ich schlafe erfreulicherweise weitestgehend gut!
Pläne, Ziele?
Ein neues Album von „Hotel Rimini”. Kommt hoffentlich im Herbst 2027!
Was ist Glück?
Glück ist, mit meiner Tochter Zeit zu verbringen.
Hotel Rimini am 24. Mai und Görda am 31. Mai, Felsengarten der Kunsthalle Talstraße, 15.30 Uhr, alle Konzerte: https://kunstverein-talstrasse.de
Text: Mathias Schulze