„House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“, Grimmaische Straße 10, Leipzig, Info: www.house-of-banksy.com
Die Ausstellung „House of Banksy – An Unauthorized Exhibition“ zeigt in der Leipziger Innenstadt bis mindestens Oktober rund 150 Motive des Streetart-Superstars. Grund genug, bei der Kuratorin Virginia Jean nachzufragen
Hallo, Virginia Jean, was eigentlich macht für Sie die Faszination Banksy aus?
Banksy fasziniert nicht nur durch seine Anonymität, sondern vor allem durch seine Fähigkeit, mit minimalen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen. Eine Sprühdose, eine Schablone und eine dunkle Nacht – mehr braucht es nicht, um Werke zu erschaffen, die oft mehr sagen als tausend Worte. Seine Kunst hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und bringt soziale Missstände auf den Punkt – präziser als viele Nachrichtenkanäle es vermögen.
Banksy ist ein Streetart-Künstler, der berühmteste der Welt. Ist es nicht ein Widerspruch in sich, seine Arbeiten in einer Ausstellung zu zeigen, die Eintritt verlangt?
Unsere Ausstellung verfolgt nicht das Ziel, Straßenkunst von der Straße in geschlossene Räume zu holen, sondern sie überhaupt wieder zugänglich zu machen. Rund 90 Prozent der Werke, die man in der Ausstellung im alten Esprit erleben kann, wurden entweder zerstört, übermalt, entfernt oder aus den Wänden gerissen und teuer versteigert. Unser Anliegen ist es, der Öffentlichkeit diese verlorenen Arbeiten zurückzugeben, denn sie wurden für uns geschaffen, für die Gesellschaft, für die Straße. Sie sprechen Themen an, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind, für die wir Mitverantwortung tragen – und deren Veränderung auch bei uns beginnt. Die Ausstellung bietet zudem die Möglichkeit, mit jungen Künstlern zusammenzuarbeiten, die diese Werke vor Ort rekonstruieren und so ihre Botschaft lebendig halten.
Streetart ist …
… schon lange nicht mehr nur auf der Straße zu finden, sie hat sich etabliert, dank Künstlern wie Banksy, der natürlich auch selbst seine Werke nicht nur auf der Straße, sondern auch schon seit Jahren in verschiedenen, selbst organisierten Ausstellungen präsentiert – wie zuletzt in Glasgow in der „Gallery of Modern Art“ in seiner Ausstellung „Cut&Run“. Nicht zuletzt unterstützt unsere Ausstellung Banksys eigene Initiative: Das Seenot-Rettungsboot „Louise Michel“, das seit 2018 im Mittelmeer im Einsatz ist. Kunst, die nicht nur aufrüttelt, sondern handelt.
Sie zeigen Wandbilder aus den letzten 30 Jahren und sagten, dass rund 90 Prozent der Wandbilder im Original nicht mehr zugänglich sind. Wie stellen Sie sicher, nah bei den Originalen zu sein?
Da wir leider – oder zum Glück - im digitalen Zeitalter angekommen sind, gibt es von jedem Banksy Werk, auch von den lang zerstörten, unzählige Bilder aus allen Winkeln. Anhand dieser Bilder schneiden unsere Künstler die Schablonen passend vor Ort und sprühen sie, wie Banksy, mit Dose an die jeweilige Wand. Es handelt sich um Rekonstruktionen, die seiner Technik, seinen Proportionen und seiner Sprache so nah wie möglich kommen.
Sie erzählten beim Presserundgang, dass die Begleitinformationen mit Banksys Firma abgestimmt sind. Was ist das für eine Firma?
Dabei handelt es sich um „Pest Control“. Das ist ein Büro, das Banksy selbst ins Leben gerufen hat. Es kümmert sich um den offiziellen „Papierkram“ rund um seine Werke und wurde gegründet, um in erster Linie den Verkauf und Handel von gefälschten BanksyWerken im Kunstmarkt zu verhindern beziehungsweise zu vermindern.
Stellen Sie bitte etwas zum Mythos klar: Welche faktischen Informationen über Banksy gelten als gesichert?
Wir möchten uns gar nicht zu sehr auf Spekulationen über Banksys Identität einlassen – im Mittelpunkt steht seine Kunst, seine Haltung und sein Mut. Er selbst sagte einmal: „Wenn du etwas sagen willst und willst, dass die Leute zuhören, musst du eine Maske tragen.“ Diese Maske wollen – und werden – wir ihm nicht entreißen.
Wissen Sie, seit wann Banksy mit Schablonen arbeitet? Können Sie bitte noch einmal erklären, warum er das tun muss?
Banksy muss nicht mit Schablonen arbeiten, er hat sich bewusst dafür entschieden. Diese Technik ermöglicht es ihm, schnell und effizient zu arbeiten, was besonders im öffentlichen Raum von Vorteil ist. Zudem kann ein Großteil des Prozesses, nämlich das Schneiden der Schablonen, im Verborgenen geschehen, fernab neugieriger Blicke.
Text: Mathias Schulze
