Seit 2013 findet im Sommer ein Benefiz-Fußballspiel in der Region zugunsten des Bildungs-und Gesundheitsprojektes „Apfel-Latein“ statt. Dieses Jahr wurde eine Summe von 8.783 Euro eingespielt. Aber was ist das „Apfel-Latein“ genau? Michael Schwarze, Jahrgang 1966, und Regionalsprecher der AOK Sachsen-Anhalt und Vorstandsvorsitzender des Vereins „Mitteldeutsches Netzwerk für Gesundheit”, erklärt es im Gespräch
Was ist das „Apfel-Latein“?
Es ist ein gesundheitliches Projekt, das im Bereich Bildung und Prävention ansetzt. Das Projekt betreut elf Grundschulen - neun im Burgenlandkreis, zwei in Halle. Spielerisch und altersgerecht vermittelt das Projekt Aufklärung über lebenspraktische Themen, die mit Spaß am Mitmachen, mit einem Erlebnischarakter vermittelt werden. Jeder Mensch, jedes Kind ist ein Entdecker. Und das „Apfel-Latein“ führt die Kleinen eben spielerisch, nicht in der Art und Weise wie klassischer Schulstoff vermittelt wird, zu Phänomenen und Verhaltensweisen, die sie ihr ganz Leben über brauchen werden.
Die Themen sind mehr, als „nur” gesunde Ernährung.
Ja, die Themen heißen: Ernährung, Bewegung, Natur und Umwelt, gesunde Haut und Sonnenschutz, Stressabbau/Entspannung, Abschied, Musik und Gesundheit, Regionalität und Vereine.
Regionalität und Vereine?
Wenn ich nicht weiß, wo die nächste Apfelplantage ist, wo beispielsweise eine Kräuterwanderung stattfindet oder wo die Kastanien im Herbst runterfallen, kenne ich meine Umgebung und Heimat nicht. Wenn ich nicht weiß, welcher Verein in der Nähe Tanz, Schach oder Sport anbietet, entgehen mir viele Möglichkeiten der Selbstwirksamkeit. Wenn ich nicht weiß, wo ich wohne, bin ich praktisch von meiner Heimat entfremdet. Gerade die Vereine sind die Stützen der Gesellschaft. Und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die bewusste Wahrnehmung der uns umgebenenen Natur und Umwelt ganz wichtig für die Gesundheit ist.
Das leuchtet mir ein. Auch gerade vor dem Faktum der „Digitalisierung”. Was hat es mit dem Thema „Abschied” auf sich?
Für den Menschen, auch für die Grundschulkinder, ist es fundamental, wie man mit Verlusten umgeht. Das kann der Verlust von Haustieren oder auch von Mitmenschen sein. Sich dazu ins Verhältnis zu setzen, darf kein Tabu-Thema sein. Und je früher man das lernt, desto besser kann man die Herausforderungen des Lebens auch als Erwachsener meistern.
Worum geht es bei „Stressabbau/Entspannung”?
Unser Lebenswandel hat oft negativen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden der Kinder: Reizüberflutung durch übermächtigen oder unkontrollierten Medienkonsum, weniger Zeit und Platz für freies Spiel und Naturerfahrungen sowie familiäre Belastungen wie Armut, Stress oder Streitigkeiten belasten die kindliche Seele. Deswegen geben wir praktische Tipps, um soziale Unterstützung, Entspannung und Erholung, Natur-Tage und vieles mehr zu erfahren.
Und „Musik und Gesundheit”?
Singen und Musikhören und Musikmachen wirken sich nachweislich positiv auf das Wohlbefinden und auf das Immunsystem aus. Es macht nicht nur Freude, sondern baut Stress ab und schafft Verbindungen. Wir bieten Tipps zur Durchführung, beispielsweise Bewegungslieder singen oder auch den eigens kreierten „Apfel”-Song nachspielen und singen.
Das Projekt …
… ist ganz grundsätzlich nicht starr. Wir haben über die Jahre immer mehr lebenspraktische Themen integriert, es können also auch neue dazukommen. Die erste stellvertretene Vorsitzende und Koordinatorin des „Apfel-Lateins”, also Anne Loeper, ist hier mit ihrer AG fortschreitend und dynamisch aktiv.
Die Dinge sind so wichtig, dass man sich wundert, warum sie sowieso im Schulplan stehen.
Ich würde mir wünschen, dass die Themen des „Apfel-Lateins“ fester Bestandteil im Lehrplan wären. Seit 2012 kämpfen wir dafür.
Bislang ohne Erfolg?
Wir haben es dem Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, also Jan Riedel (CDU), vorgestellt. Bislang möchte er den Schulen die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, ob sie es machen oder nicht.
Sie würden es sich als Pflichtfach wünschen?
Ja.
Eine weitere Initiative des Vereins „Mitteldeutsches Netzwerk für Gesundheit” nennt sich „Gesundheit und Pflege”.
Das ist eine Ausbildungsinitiative, die allen jungen Menschen und allen Junggebliebenen in der Region zeigen möchte, dass es attraktive Angebote im Bereich der Pflege - nicht nur der Altenpflege - gibt, dass der Job sehr interessant ist, dass er auch ganz gut bezahlt wird. Wir möchten über die Probleme, Hintergründe und Möglichkeiten von Gesundheits-und Pflegeberufen informieren, zeigen, dass der Beruf auch ein Dienst an der Gesellschaft ist. Wir alle können nicht am Rad drehen, wir alle werden älter, wir alle werden früher oder später der Hilfe bedürfen. Wir bringen Akteure aus Gesundheitswesen, Bildung, Wirtschaft, Sozialbereich und öffentlicher Verwaltung zusammen, um gemeinsam die Gesundheitskompetenz in Mitteldeutschland zu stärken und innovative Projekte anzustoßen.
Apfel-Latein, Spenden unter IBAN: DE08 8005 3762 0387 3073 17, BIC: NOLADE21HAL (Saalesparkasse), Verwendungszweck: Spende für Präventionsprojekt Apfel-Latein, alle Infos: https://www.gesundinmitteldeutschland.de
Text: Mathias Schulze