Seit 2007 gastiert die „Fête de la Musique“ in Halle, seit 2017 sind Sie die Projektleiterin. Es gibt Neuigkeiten, richtig?
Richtig, seit Herbst 2025 hat die Halle einen neuen Trägerverein. Die Veranstaltung ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen, wir haben mehr Bühnen, mehr Kooperationspartner:innen und deutlich mehr Publikum - und das muss langfristig von einem gemeinnützigen Verein getragen werden können. Deshalb haben wir uns im letzten Jahr nach einem neuen Träger umgeschaut, der dem Projekt gewachsen ist.
Jetzt ist „kreanativ e.V.“ unser Trägerverein und darüber freue ich mich sehr. Der Verein organisiert seit vielen Jahren kostenfreie, barrierearme Veranstaltungen im öffentlichen Raum, das passt perfekt zur „Fête de la Musique“, die ja auch „umsonst und draußen“ stattfindet. Wir teilen die gleichen Werte und fühlen uns mit der „Fête“ bei „kreanativ e.V.“ sehr gut aufgehoben.
Welche Werte sind das konkret?
Die „Fête Halle“ und „kreanativ e.V.“ verbindet vor allem der Gedanke der kulturellen Teilhabe: Wir wollen, dass alle Menschen - unabhängig von Geldbeutel, Herkunft oder Alter - Musik und Kultur erleben können. Deshalb sind unsere Formate eintrittsfrei, barrierearm und im öffentlichen Raum, also frei zugänglich. Uns geht es um Vielfalt statt Ausschluss: Amateur:innen und Profis, Chöre, Bands, DJs und Orchester teilen sich die Bühne und zeigen, wie bunt die Musikszene in Halle ist. Gleichzeitig verstehen wir Kulturarbeit als Beitrag zu Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wir schaffen Räume, in denen sich Menschen begegnen, mitgestalten und sich als Teil der Stadtgesellschaft erleben können - offen, solidarisch und respektvoll.
Bei so vielen Bühnen treten sehr viele Künstler:innen auf. Wie entsteht euer Programm, wie kann es sein, dass so viele Künstler:innen ohne Gage auftreten?
Die „Fête de la Musique“ ist ein weltweites Musikfest – am 21. Juni feiern in tausenden Städten Menschen gleichzeitig den Sommeranfang und machen gemeinsam Musik. Dieses Gefühl, Teil des World-Music-Days zu sein, ist einfach großartig und man merkt es in der ganzen Stadt: Die Stimmung ist fröhlich, entspannt und sehr herzlich. Dass so viele Künstler:innen ohne Gage auftreten, liegt genau daran: Die „Fête de la Musique“ war von Anfang an als Straßenmusikfest gedacht – jede:r kann rausgehen und spielen, alle Konzerte sind kostenlos. In Halle teilen sich Profis, Newcomer und Amateure die Bühnen, manche Weltstars kehren extra in ihre Heimatstadt zurück, um einmal im Jahr ein freies Konzert zu geben. Für viele junge Acts ist es der erste große Auftritt – und diese Mischung (bekannte Musikerinnen entdecken, neue Lieblingsband kennenlernen) macht unglaublich Spaß.
Das Programm ..
… entsteht über einen offenen Aufruf: Ab Dezember können sich Bands, Chöre, DJs und Solokünstler:innen bewerben – dieses Jahr hatten wir rund 150 Bewerbungen, dazu kommen die Acts, die unsere Bühnen-Partner:innen einladen. So füllt sich der 21. Juni fast von selbst mit etwa 250 Auftritten überall in Halle. Die Hallenser:innen müssen nur rausgehen und können einfach los tanzen, sie werden den ganzen Tag über Musik hören.
(((Zitat)))
„Ich wünsche mir, dass wir als Stadtgesellschaft laut und sichtbar dafür einstehen, dass Kultur frei bleiben darf.“
Was ist Ihre größte Motivation, um diese Veranstaltung zu organisieren?
Ich organisiere seit ich vierzehn bin Konzerte, Theaterabende und kleine Festivals. Nach meinem Studium, also 2015, habe ich das zu meinem Beruf gemacht. Ich liebe diese Arbeit, wirklich jeden Teil davon - sie ist vielfältig, abwechslungsreich und ich komme mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt.
Gleichzeitig ist es mir wichtig, Veranstaltungen zu machen, die möglichst viele Menschen erreichen und für möglichst viele zugänglich sind, auch wenn alles natürlich Geld kostet. Bei der „Fête Halle“ arbeiten fast alle ehrenamtlich: Die Musiker:innen, Techniker:innen, die Menschen, die Bühnen planen und Programme schreiben, und auch meine Arbeit ist zur Hälfte ehrenamtlich. Meine größte Motivation ist aber der Tag selbst, der 21. Juni. Wenn die Musik losgeht, die Musiker:innen anfangen zu singen und zu spielen. Wenn die Menschen anfangen, zu tanzen und einfach glücklich sind: Gemeinsam, friedlich, freundschaftlich. Am liebsten sitze ich dann irgendwo am Bühnenrand, zwischen strahlenden Musiker:innen und fröhlich tanzendem, hüpfendem Publikum. Genau für dieses Gefühl mache ich das alles.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir die „Fête de la Musique“ in Halle noch viele Jahre so feiern können, wie sie gedacht ist: offen, bunt und für alle zugänglich - egal, wie viel Geld jemand hat, woher er kommt oder wen er liebt. Für mich ist das mehr als nur ein Musikfestival. Es ist ein Tag, an dem alle sehen können, wie gut eine Stadt funktioniert, wenn Menschen friedlich zusammen Musik machen und sich mit Respekt begegnen. Gleichzeitig merke ich, wie zerbrechlich solche Räume für Vielfalt und Demokratie sind. Wenn Parteien an die Regierung kommen, die Kultur nur noch fördern wollen, wenn sie in ihr politisches Weltbild passt, dann werden gerade solche freien, vielfältigen Veranstaltungen als erstes unter Druck geraten. Ich wünsche mir deshalb, dass wir als Stadtgesellschaft laut und sichtbar dafür einstehen, dass Kultur frei bleiben darf - und dass wir genau jetzt zeigen, wie wichtig Veranstaltungen wie die „Fête de la Musique“ in Halle für unser Zusammenleben sind. Mein Wunsch für die Zukunft ist eigentlich ganz einfach: Dass wir weiter am 21. Juni zusammen auf der Straße stehen, tanzen, neue Musik entdecken - und dabei nicht vergessen, dass diese Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern etwas, das wir gemeinsam verteidigen müssen.
Fête de la Musique - Halle, 21. Juni, alle Konzerte und Termine: https://fete-halle.de und instagram.com/fetedelamusique_halle
Text: Max Feller, Bild: Lars Grimmer