Mehr Infos unter: www.kunstverein-talstrasse.de
Das letzte Wort hat in diesem Monat Matthias Rataiczyk, der Maler und Grafiker, der seit 2014 die Kunsthalle „Talstrasse“ leitet und mit Feingefühl Kunst, Musik und den prächtigen Garten der Kunsthalle verbindet. Rataiczyk studierte in den 1880er Jahren an der Burg Giebichenstein bei Inge Götze. 1991 gehörte er mit acht weiteren Künstlerkollegen zu den Gründern des Kunstvereins. Noch bis zum 31. August sind dort die Arbeiten von Martin Möhwald und Hartwig Ebersbach zu bestaunen
Hallo, Matthias Rataiczyk, wenn Sie in diesen Tagen an Halle denken, welches Kompliment würden Sie der Stadt und/oder ihren Bewohnern machen?
Halle ist eine Stadt, die sich seit Jahrhunderten immer wieder neu erfinden muss, eine Stadt, die durch Höhen und Tiefen gehen musste. Vieles ist in den letzten Jahrzehnten neu entstanden, Altes konnte auch durch das Engagement ihrer Bürger in letzter Minute gerettet werden. Halle ist bunt und jung, multikulturell und vielschichtig, voller Kultur auf engem Raum. Die Stadt hat viele Gesichter, ist industriell geprägt und doch grün, streckenweise sogar romantisch – Spannung, die Wissenschaft und Kunst seit langem zu schätzen wissen und immer wieder anlockt.
Und welchen Tadel würden Sie aussprechen?
Es entspricht mir nicht zu tadeln. Die große Vielfalt ihrer Einwohner bringt es mit sich, dass oft die tiefere Verbundenheit mit der eigenen Stadt nur bedingt vorhanden ist. Mehr Stolz und Selbstbewusstsein der Hallenser auf ihre Stadt wäre auch der Außenwirksamkeit über Landesgrenzen hinweg dienlich. Und wenn es dann doch eine Kritik geben soll, dann jene, bitte das eigene „Wohnzimmer“ sauber zu halten und dem Sprühwahnsinn ein wenig mehr entgegenzutreten.
Kriege, Klima, Inflation – überall Krisen. Wie gelingt es Ihnen optimistisch zu bleiben?
Die globale Situation ist fragil und verwirrt viele Menschen – die Herausforderungen in nahezu allen Lebensbereichen sind enorm. Persönlich sehe ich in erster Linie nur die Möglichkeit, im eigenen Lebensumfeld Ordnung zu halten und selbst bei konträren Meinungen das Gespräch zu suchen, um mit Worten zu überzeugen. Netzwerkpflege im Kleinen dient dem Kräftesammeln im Kreis von Gleichgesinnten im Sinne unserer freiheitlich demokratischen Kultur mit der Hoffnung, das in den letzten Jahrzehnten Erreichte für kommende Generationen erhalten zu können. Es gilt, die Zuversicht nicht zu verlieren.
Welchen Kulturtipp in oder aus Halle würden Sie unbedingt empfehlen?
Kaum eine Stadt dieser Größenordnung ist so reich an kultureller Vielfalt – von der Hochkultur bis hin zur Freien Szene – umso schwerer ist es diesen einen Tipp zu geben. Als Verantwortlicher für ein Haus, welches sich der bildenden Kunst seit vielen Jahrzehnten widmet, würde es mich freuen, wenn die Kunsthalle „Talstrasse“, gelegen im romantischen Teil Halles, allen Hallenserinnen und Hallensern und vielen Ihrer Gäste bekannt wäre, gerade auch durch das wundervolle Zusammenspiel von bildender und Gartenkunst, von Malerei, Plastik und Rahmenveranstaltungen wie Konzerten hoch über dem Saaletal.
So, und nun wirklich ein letztes Wort.
Um mit Goethe zu sprechen: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“
Text: Annett Krake
