Infos: www.christoph-liedtke.de/about/ und www.raumfuerkunsthalle.de/blech
Das letzte Wort in diesem Monat hat der Künstler, Kurator und Veranstalter Christoph Liedtke. Liedtke, BURG-Absolvent und 1985 in Saalfeld in Thüringen geboren, ist der Vorsitzende des halleschen Vereins „BLECH. Raum für Kunst“ am Steintor und als solcher ein wichtiger Botschafter der freien Kunstszene der Saalestadt.
Hallo Christoph, wenn Sie in diesen Tagen an Halle denken, welches Kompliment würden Sie der Stadt und/oder ihren Bewohnern machen?
Halle, größte Punk-Banddichte Deutschlands! Deine Subkultur ist ein Traum. Du lässt dir oder ihr lasst euch immer wieder was Neues einfallen. Danke für all die Partys und all die Shows deiner unentwegten Akteurinnen und Akteure!
Und welchen Tadel würden Sie der Stadt aussprechen?
Das neugebaute Eckhaus am Reileck (ehemals Gravo-Druck, Anm.d.Red.) ist rein ästhetisch nach dem Minimalprinzip errichtet. Eine Packung Toastbrot ist optisch ansprechender. Weshalb wurde der Charme der ehemaligen Druckerei nicht in die Architektur eingebunden und somit ein Stück hallesche Industriegeschichte bewahrt? Wer denkt sich so etwas aus? Schade. Halle sollte mehr Geld in öffentliche Kunst und ihre KünstlerInnen investieren. Und der Marktplatz braucht unbedingt mehr Bäume!
Kriege, Klima, Inflation - überall Krisen. Wie gelingt es Ihnen, optimistisch zu bleiben?
Es bleibt verdammt spannend. Da bin ich vor allem neugierig und will erleben, wie es weiter geht, wie es in fünfzig Jahren aussieht. Was mich positiv hält, ist das Staunen und alle Kunst, die mich mit der Welt verbindet. Besonders aber die Menschen, meine Freunde und Gefährten, die neben mir stehen und mit mir gehen und dass wir eine gemeinsame Zeit haben, das ist ein tägliches Wunder. Der chinesische Dichter Bei Dao schrieb dazu das kürzeste Gedicht der Welt. Man kann es sich gut merken: Leben = Netz.
Und welchen Kulturtipp in oder aus Halle würden Sie unbedingt empfehlen?
Die Ausstellung „Planetarische Bauern“ der Werkleitz Gesellschaft in der Moritzburg ist absolut ansehenswert - und ich empfehle natürlich auch immer mal am BLECH. Raum für Kunst Halle e.V. am Steintor vorbeizuschauen. Da gibt's außergewöhnliche Künstler*innen mit ihren Projekten und Performances zusehen, und man kann seltene und erlesene Musik hören oder an Kunstaktionen teilnehmen.
So, und nun wirklich, ein letztes Wort.
Das gebe ich weiter an meine Lieblingsdichterin „Inger Christensen“. Sie schreibt: „Man hat die Welt nicht gesehen, wenn man sie nicht geträumt hat.“
Text: Annett Krake
