Geneigte Leser*,
es gibt ja Zeitgenossen unter uns, die sind regelrecht süchtig, den Kram, den sie nicht mehr brauchen, im Netz zu handeln beziehungsweise nach Kram, den sie noch nicht brauchen, zu stöbern. Hohe Reichweite, einfache Bedienung und großes Vertrauen in die Sicherheit sind die wichtigsten Gründe für den Erfolg vom Handeln mit Kleinanzeigen im Netz. So weit, so klar. Nicht ganz klar indes scheint einigen Zeitgenossen zu sein, wie weit der Begriff dessen, was man noch handeln kann, ausgedehnt werden sollte. Und das ist gut so! Denn ab hier verspricht es, amüsant zu werden. Zum Beispiel, wenn ein Vater für seinen Sohn einen defekten Nintendo Switch sucht, weil der seine Aufgaben zu Hause, wenn überhaupt, nur widerwillig und schlampig erledigt: „Er zockt lieber“, schreibt der entnervte Vater, bereit in einer Art Notwehr-Gefecht den Spieß einfach umzudrehen: „Was will ich jetzt mit einer defekten Switch? Ich will sein Gesicht sehen, wenn ich vor seinen Augen mehrfach mit dem Auto drüber fahre.“ Der Mann hat eine Mission. Auf jeden Fall! Ob das den renitenten Kronprinzen beeindrucken wird? Ich habe meine Zweifel.
Ja, ja, die wunderbare Welt der Kleinanzeigen! Und die gibt es natürlich auch auf Bieter-Seite: „Ich tausche meine Freundin ein“, inseriert ein junger Mann aus Sachsen zum Beispiel. „Die ist Baujahr 1999 und in allgemein gutem Zustand. Leichte Gebrauchsspuren sind jedoch vorhanden.“ Ob sie noch Tüv hat? Ich weiß es nicht. Meiner ist jedenfalls abgelaufen. Doch bevor ich mich jetzt stilllegen lasse, hier noch schnell mein Angebot, Hashtag #klimalüge:
© Thomas Pfeiffer
„Gut erhaltener Schneemann an Bastler abzugeben, Baujahr 2024, minimaler Defekt, nicht der Rede wert“. Sie können nicht basteln und Winter ist ja bald? Auch egal. Stellen Sie das Ding einfach wie es ist in den Garten. Die Nachbarn werden Augen machen!
Eike Käubler
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichten wir in unseren Texten auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d).